Finden Vibrationsplatten im Rehabilitationssport Anwendung?

Werden Vibrationsplatten oder wird das Vibrationstraining im Rehabilitationssport angewendet und wenn ja, in welchen Bereichen kommt diese Trainingsform unterstützend zum Einsatz? Rehabilitationssport, oder auch Reha-Sport bzw. Rehasport, ist eine ärztlich verschriebene und von der Krankenkasse, der Rentenversicherung oder der Unfallversicherung bezahlte Bewegungstherapie, die nachgelagert an die Primärtherapie einer Erkrankung anschließt. Das Ziel ist die bestmögliche funktionelle Wiederherstellung und Stabilisierung des Patienten. Im Regelfall dauert eine solche Reha-Maßnahme sechs bis 36 Monate an und zielt neben der körperlichen Regeneration auch auf die Motivation dessen ab, nach Abschluss der verordneten Einheiten, gelernte Übungen in Eigenregie weiter durchzuführen. Rehabilitationseinheiten, die einen Zeitraum von wenigen Wochen nicht überschreiten, werden häufig ambulant vorgenommen - der Patient kann zwischen den Einheiten die Einrichtung (Klinik, Physiotherapie-Praxis) nach Hause. Mittel- und langfristige Einheiten werden in Rehabilitationszentren durchgeführt. Hier ist eine intensivere und ganzheitlichere Betreuung des Patienten möglich. Zielgruppen für medizinische Rehabilitations-Programme sind neben sonst gesunden Menschen, die durch einen Unfall zu Schaden gekommen sind, vor allem ältere Menschen, behinderte Menschen und / oder chronisch kranke Menschen. Weitere Hintergründe zur allgemeinen Wirkweise findest du in unserem Beitrag zur Wirkung einer Vibrationsplatte.

Die nachstehende Liste von Bereichen, in denen Vibrationsplatten im Reha-Sport eingesetzt werden, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Therapieempfehlung dar. Die Behandlung und Durchführung bei allen genannten Einsatzgebieten erfolgt ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal. Einer der führenden Hersteller für medizinische Vibrationsplatten ist Galileo.

Anwendungsgebiete von Vibrationsplatten im Reha-Sport

Vibrationsplatte Reha-Sport

Nach langer Bettlägerigkeit

Patienten, die aufgrund eines Unfalls oder Krankheit lange Zeit bettlägerig waren, haben auch nach der Genesung der Grunderkrankung das Problem, dass ihre Muskulatur während des Aufenthalts im Krankenhaus abgebaut hat. Das ist dem Umstand geschuldet, dass sich Muskeln bei Nichtbeanspruchung zurückbilden. Hier kann das Vibrationstraining unter medizinischer Aufsicht unterstützend eingesetzt werden, um muskuläre Aktivierung zu fördern. Da Frequenz und Amplitude der Vibrationsplatte den Bedürfnissen des Patienten angepasst werden können, ist eine dosierte und schonende Belastungssteigerung möglich. Weitere technische Unterschiede der Systeme findest du unter Arten von Vibrationsplatten.

Nach einem Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall leiden die Betroffenen häufig an Gleichgewichtsstörungen und Gangunsicherheiten. Einige Physiotherapeuten und Reha-Zentren integrieren sanfte Formen des Vibrationstrainings ergänzend zu klassischen physiotherapeutischen Maßnahmen. Ziel ist es, sensomotorische Reize zu setzen und funktionelle Stabilität zu fördern. Weitere Hintergründe zur Stabilisation und Koordination erläutern wir im Beitrag Für wen ist eine Vibrationsplatte geeignet?.

Bei Polyneuropathien

Polyneuropathien sind Missempfindungen an Körperstellen, die sich von Patient zu Patient unterscheiden und mitunter sehr unangenehm sind. Meist sind Hände, Finger, Füße und Zehen betroffen. Vibrationsplattentraining wird hier unterstützend zu sensomotorischen Übungen eingesetzt. Die mechanischen Reize können die Wahrnehmungsschulung fördern. Eine kurative Wirkung im Sinne einer Heilung ist hieraus jedoch nicht abzuleiten.

Bei Multipler Sklerose (MS)

Bereits Mitte der 2000er-Jahre wurden erste klinische Untersuchungen zum Einsatz von Ganzkörper-Vibrationstraining (WBV) bei Personen mit Multipler Sklerose durchgeführt. In einzelnen Pilotstudien zeigten sich Hinweise auf mögliche Verbesserungen der posturalen Kontrolle sowie funktioneller Tests wie dem "Timed-Up-and-Go-Test". In den folgenden Jahren wurden weitere Studien publiziert, die potenzielle positive Effekte im Rahmen eines ergänzenden Trainingsansatzes untersuchten. Dabei handelt es sich in der Regel um Trainingsformen wie WBV (Whole Body Vibration) oder spezielle gerätegestützte Varianten. Die Datenlage ist insgesamt heterogen, weshalb Vibrationstraining im Kontext von MS als unterstützende Maßnahme innerhalb eines multimodalen Rehabilitationskonzeptes betrachtet wird. Eine Einordnung wissenschaftlicher Untersuchungen findest du auch in unserer Übersicht zur Studienlage zur Vibrationsplatte.

Bei Chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD)

Bei COPD (Chronic obstructive pulmonary disease) handelt es sich um ernsthafte und chronische Lungenerkrankungen, welche die Lungen nachhaltig schädigen können und Betroffene stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigen, da ihnen das Atmen (genauer das Ausatmen) schwerer fällt, als gesunden Menschen. Mögliche Ursachen solcher Erkrankungen (chronische Bronchitis, Lungenemphysem) können neben Rauchen auch Umweltverschmutzung, berufliche Belastung, Infektionen, Vererbung und Ernährung sein. Einzelne Studien berichten über neuromuskuläre Anpassungen und mögliche Verbesserungen der körperlichen Leistungsfähigkeit durch ergänzendes Vibrationstraining. Eine Anwendung erfolgt ausschließlich unter medizinischer Begleitung.

Hinweis: Vibrationstraining im Rehabilitationssport darf ausschließlich unter ärztlicher Verordnung und fachlicher Aufsicht erfolgen. Eine eigenständige Anwendung bei bestehenden Erkrankungen ist nicht zu empfehlen.